Geschichte des Karate

karate

Karate entstand auf Okinawa, der Hauptinsel einer langgestreckten Inselgruppe 550 km südlich von Japan. Dort wurden bereits im 14. Jahrhundert Selbstverteidigungsmethoden ausgeübt. 1429 wurde Okinawa zu einem Königreich unter der Führung des Königs Sho Hashi vereint, der ein Handelsnetz zu den umliegenden Ländern aufbaute. Durch diese Kontakte kamen die Bewohner Okinawas mit verschiedenen Kampftechniken der südasiatischen Länder in Berührung. Zu diesen Kampftechniken gehörte auch das chinesische Quan Fa, das im Shaolin-Kloster seinen Ursprung hat. Die verschiedenen Kampfarten vermischten sich mit den Selbstverteidigungskünsten auf Okinawa.

1470 brach die Sho-Dynastie zusammen und es gab politische Unruhen bis schließlich 1479 eine neue Sho-Dynastie unter der Führung des Königs Sho Shin gegründet wurde. Dieser musste allerdings gegen rebellische Adelige vorgehen und verbot deshalb das Tragen von Schwertern. Dieses Verbot wird heute als Ursprung der Entstehung von Karate betrachtet. Da die Bewohner Okinawas aber nicht auf die Selbstverteidigung verzichten konnten, da es immer wieder zu Kämpfen zwischen den Bewohnern und den Samurais kam, wurden die Kampftechniken auch weiterhin ausgeübt.
Hierbei entstanden zwei unterschiedliche Arten: Der waffenlose Kampf des Adels, das Tode. Der Schwerpunkt des Tode lag im Einsatz der Hand, vor allem der Faust.
Die Bauern entwickelten eine Kampfart, in der die Werkzeuge (Sicheln, Paddel, …) zu Waffen umfunktioniert wurden. Diese Kampfkunst wurde Kobudo genannt. Da es allerdings verboten war, Kampfkünste zu üben, wurden das Tode und das Kobudo nur im Geheimen und vor allem nachts ausgeübt und gelehrt.

Später wurden beide Kampftechniken als Okinawa-Te (Okinawa-Hand) bezeichnet. Da die Kampfkunstmeister verschiedene Auffassungen über das Ausüben des Okinawa-Te hatten, bildeten sich verschiedene Stilrichtungen: Die Stile wurden der Stadt zugeordnet, in der die jeweiligen Meister lebten. So entstanden Shuri-Te, Tomari-Te und Naha-Te. Shuri-Te und Tomari-Te wurden im 19. Jahrhundert zu Shorin-Ryu zusammengefasst, Naha-Te als Shorei-Ryu bezeichnet. Aus diesen beiden Schulen entwickelten sich weitere Stile, die aber nicht nur als Sport, sondern als Lebensschule aufgefasst wurden.

1905 wurde Okinawa-Te offiziell als Unterrichtsfach an den Schulen Okinawas eingeführt. Diese Kampfkünste waren bis 1915 in Japan allerdings relativ unbekannt. Ins Budo (Überbegriff für Kampfkünste) eingeführt wurden sie erst 1921. In diesem Jahr stattete der Sohn des japanischen Kaisers, Prinz Hirdito, Okinawa einen Besuch ab, wo er eine Karatevorführung von Gichin Funakoshi, Meister des Shorin-Ryu, besuchte.
Ein Jahr darauf wurde er zusammen mit den Meistern Kenwa Mabuni und Chojun Miyagi nach Tokio zu einer Schau der Leibeserziehung eingeladen, um die Kampfkunst dort vorzustellen. Er kehrte anschließend nicht nach Okinawa zurück, sondern blieb in Japan, um dort diese Kampfkunst weiter zu verbreiten und zu lehren.

In den folgenden Jahren kamen weitere Meister aus Okinawa nach Japan und gründeten dort verschiedene Stile. Es bildeten sich schließlich vier Hauptstile: Goju-Ryu, Shito-Ryu, Shotokan-Ryu und Wado-Ryu. Da es aber noch keinen offiziellen Namen gab, setzten sich 1935 die Meister der verschiedenen Stile zusammen, um einen Namen zu finden und entschieden sich für „Karate“, was übersetzt „leere Hand“ bedeutet. Zur weltweiten Verbreitung von Karate trugen vor allem amerikanische Soldaten bei, die nach dem Zweiten Weltkrieg heimkehrten und dies dort vorstellten. In den fünfziger Jahren wurde Karate schließlich offiziell in das Ausbildungsprogramm der amerikanischen Streitkräfte aufgenommen. In den USA entwickelte sich neben dem klassischen Sportkarate das Kontakt-Karate mit eigenen Regeln, das heute als Kickboxen bezeichnet wird. In Deutschland wurde Karate 1957 eingeführt.

Der bei uns ausgeübte Stil, Goju-Ryu, geht auf den Meister des Shorei-Ryu, Kanryo Higaonna zurück. 1874 kam er im Alter von 21 Jahren nach China und wurde beim Kempomeister Ryu Ryuko als Schüler aufgenommen. 15 Jahre später kehrte er nach Okinawa zurück, wo er schon als bester Schüler des Kempomeisters berühmt geworden war. Dort lehrte er das gelernte Kempo in Verbindung mit dem okinawanischen Okinawa-Te. Da er in Naha wohnte, wurde dieser Stil als Naha-Te, später als Shorei-Ryu bezeichnet. Zusammen mit seinem besten Schüler, Chojun Miyagi, verbesserte und verbreitete er Naha-Te. Nach dem Tod Higaonnas 1916 wurde der Stil auf Chojun Miyagi übertragen, welcher unter anderem die Katas "Tensho", "Gekisai-Dai-Ich" und "Gekisai-Dai-Ni" entwickelte.
Der Name Goju-Ryu geht auf einen Vorfall im Jahre 1929 anlässlich der Inthronisationsfeier des Kaisers Hirohito zurück. Dort führte Miyagis ältester Schüler, Shinzato Jin’an, eine Kata vor. Nachdem er fertig war, wurde er von einem Kobudo-Meister gefragt, welcher Schule er angehöre, konnte aber keine Antwort geben. Nachdem er seinem Meister davon berichtet hatte, überlegte dieser sich einen Namen und entschied sich für Goju-Ryu („hart und weich“). 1933 wurde Goju-Ryu offiziell als eigene Stilrichtung registriert. Vor seinem Tod im Jahr 1953 bestimmte Miyagi Yagi Meitoku auf Okinawa und Gogen Yamaguchi in Japan zu seinen Nachfolgern. Der von Yamaguchi verbreitete Stil nennt sich heute Goju-Kai.

1967 berief Yamaguchi Tokio Funasako in die japanische Nationalmannschaft. Funasako hatte sich bereits einen Namen erkämpft. So gewann er von 1964 – 1966 die Tokioter Stadtmeisterschaften und war 1967 einer der drei Sieger einer Meisterschaft, die 1967 von den zehn Besten der verschiedenen Stilrichtungen in einer Allkategorie ausgeführt wurde.

Tokio Funasako wurde am 04.09.1944 in Kagoshima geboren. Im Alter von 11 Jahren begann er Shorin-Ryu zu lernen, wechselte aber 5 Jahre später zu Sensei (=Meister) Yoshihiro Urakawa, um bei ihm Goju-Ryu zu lernen. 1968 kam er nach Heilbronn, um dort im Auftrag seines Senseis als Karatelehrer zu arbeiten. Da es ihm in Deutschland gefiel, wollte er länger bleiben. Er blieb bis heute und wohnt nach wie vor in Mosbach. Unter seiner Regie wurden viele Karatevereine gegründet.

Über den damaligen Vorsitzenden des Karatevereins Amorbach, Rudolf Russ, kam Karate 1996 nach Trennfurt. Er hielt erst einen Selbstverteidigungskurs für Frauen.
Kurz darauf wurde die Karateabteilung gegründet, in der heute etwa 50 Kinder, Jugendliche und Erwachsene trainieren.


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