| Geschichte | Training | Was ist Karate? |
Karate ist eine traditionsbewusste Kampfkunst japanischen Ursprungs. Die ausführliche
Entstehungsgeschichte ist unter dem Menüpunkt
Geschichte abrufbar.
Entgegen der landläufigen Meinung besteht Karate nicht aus
Bretterzerschlagen und Ziegelsteinezerschmettern. Dieser Eindruck entsteht oft, da solche
Showeffekte in Vorführungen eingebaut werden, um die Aufmerksamkeit zu steigern.
Dennoch spiegeln sich darin auch einige Aspekte des Karate wider, so zum Beispiel
Konzentration und Präzision.
Karate bedeutet leere Hand, was diese Kampfkunst sehr gut charakterisiert. Ein Karateka verwendet
sowohl zum Angriff als auch zur Verteidigung lediglich seine Hände und Füße,
jedoch keine Waffen oder sonstigen Hilfsmittel.
Ein weiteres Charakteristikum ist die Achtung des Gegners. Dieser wird respektvoll und ebenbürtig
behandelt. Dies beginnt mit dem traditionellen Gruß, dem Verbeugen, bevor ein Kampf startet
und endet auch wieder mit einer Verbeugung nach Beendigung eines Kampfes.
Grundsätzlich geht es beim Karate, anders als beim Boxen oder ähnlichen Kampfsportarten
nicht darum, den Gegner durch K.O. zu besiegen. Alle Hand- und Fußtechniken werden vor dem
Auftreffen abgestoppt, wobei bei höheren Gurten leichter Körperkontakt erlaubt ist.
Dies erfordert eine ausgeprägte Zielgenauigkeit und Körperbeherrschung.
Im Karate werden Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit und Beweglichkeit trainiert. Damit ist Karate
auch als Ausgleich zum Alltagsstress sehr gut geeignet. Dadurch, dass im Karate
bei der Ausführung der Techniken auf eine gute Körperhaltung Wert gelegt wird, eignet
sich Karate auch für Menschen, die beruflich überwiegend sitzende Tätigkeiten
ausüben. Das kontinuierliche Trainieren von Beweglichkeit und Kraft stärkt dabei nicht
nur die Rückenmuskulatur und beugt somit verschiedenen Krankheitsbildern vor, sondern
löst auch Verspannungen und entspannt die Psyche.
Kihon bezeichnet die Grundschule des Karatetrainings. Dabei werden alle Techniken im Stand
gelehrt. Ein Anfänger beginnt mit einfachen Fauststößen und Abwehrtechniken.
Diese werden im Stand ausgeführt, damit die volle Konzentration auf der richtigen
Ausführung der Technik liegt. Das Kihon bleibt auch bei höheren Gurtträgern
ein wichtiger Bestandteil des Trainings. So werden hier die Grundlagen für die präzise,
schnelle und richtige Ausführung aller Techniken gelegt. Durch immerwährendes
Wiederholen aller Techniken im Stand prägen sich die Abläufe ein und können
später im Kampf automatisch abgerufen werden.
Im Kihon liegt der Fokus auf der zielgenauen Ausführung der Technik, Schnelligkeit ist hier
noch nicht entscheidend. Durch Anspannen der Muskulatur kurz vor "Auftreffen" der Technik
wird die Durchschlagskraft erhöht. Unterstützt wird dies noch durch den Kiai-Ruf des
Karateka.
Eine Stufe weiter geht das Kihon Ido. Im Kihon Ido werden Techniken aus der Bewegung ausgeführt.
Die im Kihon erlernten Techniken werden nun im Vorwärts- oder Rückwärtsgehen
vorgetragen. Auch hierbei liegt der Fokus auf der präzisen Ausführung
der Technik. Ebenso wichtig sind ein korrekter Stand, Gleichgewicht und die Treffgenauigkeit.
Das Kihon Ido bildet die Basis um in den Kampf, das Kumite, einsteigen zu können.
Die Kata, in der Öffentlichkeit oft als Schattenkampf bezeichnet, stellt einen Scheinkampf
gegen mehrere Gegner aus verschiedenen Richtungen dar. Der Karateka wehrt dabei die Angriffe
ab und kontert diese durch eigene Angriffe.
Dabei sind die Techniken und Schritte, die der Karateka auszuführen hat, vorgegeben. In
einer Kata kommen die im Kihon und Kihon Ido einstudierten Techniken zur Anwendung.
Zum Laufen einer Kata ist ein Höchstmaß an Präzision, Gleichgewichtssinn und
Selbstkontrolle erforderlich. Zum Erlernen wird eine Kata langsam ausgeführt und oft
wiederholt. Wenn die Bewegungsabläufe einstudiert sind, werden die Elemente, die eine Kata
"zum Leben erwecken" hinzugefügt. Dies sind Dynamik und Schnelligkeit sowie
Atmung und Geschmeidigkeit der Bewegungen.
Im Goju-Ryu Karate gibt es etwa 20 Katas. Bis zum Erreichen des 1. Kyu Grades (der letzte Braungurt
vor dem Schwarzgurt), beherrscht der Karateka mindestens 12 Katas.
Als Kumite wird der freie Kampf zweier Karateka bezeichnet und entspricht wohl am ehesten dem,
was mit dem Sport Karate assoziiert wird.
Im Kumite findet ein offener Kampf statt, bei dem Angriffe, Abwehrtechniken und Gegenangriffe
zur Anwendung kommen. Dies umfasst sowohl Fuß- als auch Handtechniken. Die Zielregionen
sind der Rumpf oberhalb des Beckens, ausschließlich dem Hals, sowie der Kopf.
Dabei ist darauf zu achten, dass der Angriff bzw. Gegenangriff vor Auftreffen abzustoppen ist,
um den Gegner nicht zu verletzen.
Im Kumite wendet der Karateka alle erlernten Techniken im freien Kampf an. Dabei ist ein gut
trainiertes Kihon von enormer Bedeutung, damit die Techniken schnell und präzise
ausgeführt werden können. Allerdings kommt es dabei nicht mehr auf einen korrekten
Stand an, sondern auf Schnelligkeit und Treffergenauigkeit.
Zum Erlernen des Kumite wird zunächst mit dem sogenannten "Yakosuku Kumite"
begonnen. Dabei stehen sich beide Karateka gegenüber und
führen abwechselnd Angriff-Abwehr-Konter aus. Dabei werden zunächst alle Techniken
und Stände vorgegeben. Dadurch soll der Karateka lernen, die Technik präzise mit einem
Partner auszuführen und die Distanz richtig einzuschätzen.
Darauf aufbauend werden nicht mehr alle Techniken vorgegeben, sondern zuletzt nur noch die
Angriffstechnik.
Die nächste Form des Kumite ist das Jiyu Ippon Kumite. Auch hierbei erfolgen jeweils im
Wechsel Angriff-Abwehr-Konter-Sequenzen, allerdings werden die Techniken nicht mehr vorgegeben
und werden aus der freien Bewegung ausgeführt.
Zu guter Letzt kommt das Jiyu Kumite, der freie Kampf ohne Vorgaben. Hier sind alle Hand-
und Fuß- sowie Abwehrtechniken erlaubt. Wichtig ist jedoch, wie bereits erwähnt,
dass der Gegner nicht getroffen, sondern die Technik zuvor abgestoppt wird. Die Technik ist
jedoch so auszuführen, dass diese ohne Abstoppen den Gegner treffen würde.